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Single-Event
neuer Woody Allen Film
Regie
Woody Allen
Drehbuch
Woody Allen
Darsteller
Cate Blanchett
Alec Baldwin
Sally Hawkins
Bobby Cannavale
Kamera
Javier Aguirresarobe
Woody Allen findet in San Francisco zu seiner Bestform zurück und schickt in seiner neuen Tragikomödie Cate Blanchett als alkoholisierte New Yorker Ex-Salonlöwin auf eine oscarreife Tour de Force.
Die Meinung zum Film - von Marcus Fliegel
Woody Allen ist in den letzten Jahren ziemlich rumgekommen und hat in den quirligen Metropolen Europas ein paar beschwingte Filme gedreht, ob nun in London, Paris, Barcelona oder Rom. Das selbstgewählte Exil hat seiner Kreativität offenbar gut getan. Für seinen neuesten Film ist er nun in die USA zurückgekehrt – und damit ist offenbar auch die gute Laune verflogen. Nach den oft betont romantischen Bildern aus good old europe ist sein Blick aufs Heimatland weit weniger gnädig.
Ein reicher Mann, ein Riesen-Apartment in Manhattan, ein Sommerhaus am Meer – Jasmine (Cate Blanchett, „Der Hobbit“) hatte alles. Ihre einzige Aufgabe war, es, die gesellschaftlichen Pflichten der Familie zu managen und dabei gut auszusehen. Als rauskommt, dass ihr Mann zahlreiche Anleger um riesige Summen betrogen hat und sich im Gefängnis das Leben nimmt ist es vorbeimit dem Luxusleben. Jasmine steht über Nacht ohne Mann, ohne Geld und ohne Ausbildung da. Deshalb zieht sie vorübergehend bei ihrer Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins, „Submarine“) ein. Die führt ein eher bescheidenes Leben als Verkäuferin in einer der weniger vorzeigbaren Ecken von San Francisco.
Auf den ersten Blick ist Jasmine immer noch eine strahlende Erscheinung, aber der Absturz hat ihr schwer zugesetzt. Sie halluziniert, nimmt Aufputschmittel und trinkt zuviel. Immerhin versucht sie wieder auf die Füsse zu kommen. Aber wie man für sich selbst sorgt hat sie nie gelernt. Aber selbst in der Krise hält sie an ihren Illusionen fest und schaut auf andere herab. Speziell auf die Männer, mit denen ihre Schwester sich abgibt,wie den prolligen Mechaniker Chili (Bobby Canavale, „Parker“) .
Als Jasmine von einer Bekannten zu einer Party in besseren Kreisen eingeladen wird, scheint sich das Leben für beide Schwestern zum Besseren zu wandeln. Ginger lernt den feinsinnigen Verkäufer Al (Louis C.K. „Lügen Macht Erfinderisch“) kennen und Jasmine trifft den ehrgeizigen Diplomaten Dwayne (Peter Sarsgaard, „Green Lantern“). Der sucht eine Frau, die man auf Cocktailsparties vorzeigen kann und braucht Hilfe beim Geldausgeben. Von Beginn an funkt es zwischen den beiden. Sie scheinen wie füreinander gemacht.
„Hast du immer noch nicht alles was du dir wünschst ?“
Im Grunde ist „Blue Jasmine“ ein Update des Theaterklassikers „Endstation Sehnsucht“. Erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis jemand auf die Idee kam. Allerdings zieht Allen andere Lehren aus dem Stück. Tenessee Williams beschrieb den Untergang der reichen Oberschicht der Südstaaten und den Aufstieg der städtischen Einwanderer. Während Marlon Brando in der Filmfassung einen kalten,harten Vertreter der modernen Unterschicht spielt, ist sein modernes Ebenbild zwar ebenfalls aufbrausend,aber doch weitaus sympathischer. Und so sehr man es sich auch wünschen würde, auch nach der Finanzkrise und dem Untergang einzelner krimineller Spekulanten ist das System noch längst nicht am Ende.
Anders sieht das für Jasmine aus. Ihr ganzes Leben war auf Lügen aufgebaut, selbst der Name ist falsch. Und nicht erst nach dem Untergang ihres Traumlebens, auch während der Ehe,zwischen Charity-Events und Dinnerpartys hat sie sich vieles vorgemacht, die Affären und Betrügereien ihres Mannes ignoriert oder schöngefärbt. Allen porträtiert so eine Gesellschaftsschicht, die den Kontakt zur Realität verloren hat, seine Privilegien für eine Art Naturrecht hält und die Folgen seines Handelns für andere nicht abschätzen kann.
„Du hat die besseren Gene bekommen“, das war früher immer Gingers Erklärung dafür, dass alle die große, attraktive Blondine angehimmelt und die kleine schwarzhaarige Schwester ignoriert haben. Am Ende wird jedoch immer deutlicher, dass vielleicht doch Ginger die besseren Gene abbekommen hat weilsie sich von Niederlagen nicht unterkriegen lässt.
„Mein Stimmungsaufheller wirkt noch nicht“
Im Laufe der Jahre hat Woody Allen schon die prominentesten Schauspielerinnen angelockt. Zuletzt allein waren es Scarlet Johansson, Penelope Cruz, Rachel MacAdams, oder Naomi Watts. Aber selbst unter diesen Stars nimmt Cate Blanchett eine Sonderstellung ein, denn durch ihre schauspielerische Leistung schafft sie eine Figur, an die man sich noch lange erinnern wird. Das besondere ist, dass man mit dieser Frau Mitleid empfindet, das sie objektiv kaum verdient, denn sie ist oberflächlich, egozentrisch, arrogant und herablassend. Die Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin ist ihr so gut wie sicher.
„Blue Jasmine“ ist immer noch sehr deutlich ein Woody-Allen-Film, schlägt jedoch einen überraschend düsteren und bitteren Ton an. Nur zwischendurch blitzt sein Humor auf, öfter jedoch sind die Dialoge vor allem scharfzüngig. Kein Wunder,dass Allen diesmal auf einen Gastauftritt im eigenen Film verzichtet, für seine absurd-ironischen Kommentare ist hier kein Platz.
Homepage:
https://www.youtube.com/watch?v=BESiXA8j1JQ, http://city-kinos.de/film/detail/649778
Anfahrtsbeschreibung:
Nähe Karlsplatz alternativ Sendlinger Tor
Kosten
6,- € (Kinotag)
Teilnehmer
3 (ein Mann und
2 Frauen )
einer auf der Warteliste
Max. Teilnehmer 3 (ausgebucht)
Max. Begleitpersonen 1
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