7. Oldtimertreffen Olching
🚗 Classic-Cars unterwegs in Olching 🛻
Es begann mit einem klassischen Fehlstart.
Während sich der Rest der Classic-Cars-Truppe pünktlich in Olching versammelte, erreichte ich – leicht verspätet wegen eines morgenslichen Kochmarathons – gemeinsam mit meinem Nachbarn Reini den Volksfestplatt. Ein riesiges Dankeschön an Thomas und die ganze Gruppe: Reini wurde sofort aufgenommen, als wäre er schon seit Jahren dabei. So fühlt sich Gastfreundschaft an!
Für Träumchen gab es allerdings eine kleine Demütigung. Während die ehrwürdigen Oldtimer geschniegelt auf dem Veranstaltungsgelände glänzen durften, wurde der junge Hüpfer auf die Speedwaybahn verbannt. Zuerst war ich wenig begeistert – ich sah Träumchen schon komplett eingestaubt wieder.
Kaum stand ich dort, begann allerdings das Kopfkino. Eine Speedwaybahn! In meinem Kopf fuhr Träumchen längst quer durch die Kurven und zauberte meterhohe Staubfontänen in den Himmel. Reini beendete meinen kleinen Tagtraum allerdings mit einem Blick, der keine Widerrede duldete. Also blieb der Drift dort, wo er hingehörte – in meiner Fantasie. Wahrscheinlich war das auch besser so. Schließlich waren wir zum Oldtimertreffen gekommen und nicht, um den örtlichen Speedway-Rekord herauszufordern. 😄
Am Ende meisterte Träumchen die Situation mit Würde. Später parkten sogar mehrere andere Fahrzeuge in respektvollem Abstand daneben – vermutlich wollte niemand den Ehrenplatz des Jüngsten streitig machen.
Unser erster Halt führte uns direkt zu einem Willys MB.
Ich weiß jetzt Dinge, die mein Leben nachhaltig verändern werden.
Zum Beispiel, dass es originale Willys MB gibt und französische Nachbauten, die auf den ersten Blick nahezu identisch aussehen. Dazwischen liegen allerdings schnell rund 10.000 Euro. Der Besitzer erklärte uns geduldig sämtliche Erkennungsmerkmale – und gleich danach auch, welche davon sich problemlos fälschen lassen.
Mit anderen Worten: Wir wissen jetzt zwar, woran man einen echten Willys erkennt … aber auch, warum das manchmal gar nichts nützt.
Immerhin durfte ich in einem originalen Willys Platz nehmen und bekam jedes Detail erklärt – vom originalen Funkgerät bis zu unzähligen kleinen Besonderheiten. Sollte ich mir also demnächst spontan einen Willys MB kaufen, bin ich bestens vorbereitet. Rein theoretisch.
Anschließend gerieten wir an zwei nahezu identische VW T1 Samba in Blau-Weiß.
Reini und ich entwickelten innerhalb weniger Minuten die vermutlich größte internationale Herkunftsanalyse der Veranstaltung.
Deutschland?
Brasilien?
Mexiko?
Während ich parallel ChatGPT mit Fotos beschäftigte und laut überlegte, ob wir womöglich gerade den Wert eines fremden Busses um 10.000 Euro reduzieren würden, stand plötzlich die Besitzerin hinter uns.
„Ich kann die Diskussion abkürzen …“
Ups.
Zum Glück hatte sie Humor.
Sie erzählte uns die ganze Geschichte des Busses: in Deutschland gebaut, später in den USA gewesen und schließlich wieder zurückgekommen. Danach zeigte sie uns mit leuchtenden Augen die komplette Campingausstattung. Rost? Ja, den gibt es inzwischen auch.
Aber warum alles perfekt restaurieren, wenn man genau das macht, wofür der Bus gebaut wurde?
Die beiden kommen gerade aus Italien zurück, fahren damit ganz selbstverständlich über die Autobahn und genießen jeden Kilometer.
Reini und ich standen daneben wie zwei Kinder vor einem Süßwarenladen.
Am liebsten wären wir sofort eingestiegen und mitgefahren.
Dann begann das große Spektakel auf dem roten Teppich.
Zwei Moderatoren präsentierten dort die Fahrzeuge.
Der eine schien eine innige Beziehung zu BMW zu pflegen.
Der andere liebte einfach alles, was vier Räder hatte.
Und genau dieser zweite Moderator war ein Phänomen.
Es rollte manchmal ein völlig unscheinbarer Oldtimer auf den Teppich – einer, an dem man normalerweise achtlos vorbeigelaufen wäre.
Doch nach fünf Minuten seiner Erklärungen wollte man das Auto plötzlich unbedingt besitzen.
Sein Fachwissen, seine Begeisterung und seine Art zu erzählen waren schlicht großartig. Der Mann könnte problemlos jede Oldtimer-Sendung im Fernsehen moderieren.
Dann wurde es laut.
Und rauchig.
Sehr rauchig.
Ein Dragster-erfahrener US-Car-Fahrer legte einen klassischen Burnout hin.
Wir hörten ihn.
Wir sahen ihn nicht.
Denn genau in diesem Moment rannten Reini und ich voller Vorfreude Richtung roter Teppich – natürlich genau so spät, dass das Spektakel bereits vorbei war.
Zurück blieb lediglich eine riesige Rauchwolke.
Glücklicherweise folgte noch ein zweites US-Car.
Diesmal erwischten wir den sogenannten Rolling Burnout – also einen Burnout während der Fahrt.
Lange schwarze Reifenspuren blieben auf dem Asphalt zurück und für einen kurzen Moment fühlte sich Olching eher wie ein amerikanisches Dragstrip an.
Irgendwann musste ich Reini allerdings von seinem neuen Lieblingsmoderator loseisen.
Das war schwieriger als gedacht.
Während alle anderen längst Richtung Ausgang blickten, saß Reini weiterhin gebannt auf der Bank und lauschte jeder einzelnen Erklärung.
Ich hatte kurz den Verdacht, dass er beschlossen hatte, künftig einfach dort zu wohnen.
Mit sanfter Gewalt gelang es schließlich doch, ihn Richtung Auto zu bewegen.
Unsere letzte Station war das Q-Café.
Oder, wie man es beim schnellen Aussprechen problemlos verstehen könnte: das Kuh-Café.
Kühe gab es zwar keine, dafür aber hervorragenden Kaffee, nette Gespräche und einen wunderbar entspannten Ausklang.
Ganz zum Schluss wollte Jochen seinem Mercedes noch einen kleinen dramatischen Auftritt gönnen.
Der Oldtimer sprang einfach nicht an.
Mehrere Minuten lang entstand leichte Nervosität.
Doch wahrscheinlich wollte der Mercedes lediglich sicherstellen, dass auch er im Tagesbericht vorkommt.
Kurz darauf lief der Motor wieder völlig problemlos – Mission erfüllt.
So ging ein herrlicher Sommertag zu Ende.
Vielen Dank an Thomas für die Organisation und an alle Beteiligten für die tolle Stimmung.
Es sind genau diese gemeinsamen Erlebnisse, die unsere Classic-Cars-Ausfahrten zu etwas Besonderem machen.
Und Reini?
Der fragt wahrscheinlich heute noch, wann der Moderator seinen nächsten Vortrag hält.